„Brandenburg paritätisch“ setzt sich für die Förderung der politischen Gleichberechtigung von Frauen in Brandenburg ein. Die Initiative unterstützt die Beteiligung von Frauen an politischen Prozessen und setzt sich für eine paritätische Vertretung in politischen Gremien ein – mit dem Ziel, Geschlechtergerechtigkeit und eine stärkere Frauenbeteiligung in der Politik zu erreichen.
Mia Klebe ist Sprecherin des Dachverbandes der Kinder- und Jugendgremien Brandenburg und war Mitglied im Kinder- und Jugendbeirat Prenzlau.
Gesche: Hallo Mia, schön, dass es geklappt hat! Wir starten direkt mit der ersten Frage: In was für einer Jugendbeteiligung bist du gerade aktiv?
Mia: Ich komme aus Prenzlau aus der wunderschönen Uckermark und bin dort seit dreieinhalb Jahren, bald vier Jahren im Kinder- und Jugendbeirat aktiv und gleichzeitig auch im Jugendforum bei uns im Landkreis. Seit zwei Jahren darf ich auch Sprecherin des Dachverbandes der Kinder und Jugendgremien sein.
Gesche: Wie bist du dazu gekommen, dich als Jugendliche im Jugendforum und im Jugendbeirat zu engagieren?
Julia Krüger istReferentin beim Kompetenzzentrum für Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg. Dort ist sie insbesondere für die Beratung, Vernetzung und Qualifizierung von Kinder- und Jugendgremien sowie der begleitenden Fachkräfte und Kinder- und Jugendbeauftragten zuständig. Julia steht im engen Austausch mit engagierten Jugendlichen und dem Dachverband Kinder- und Jugendgremien Brandenburg.
Gesche: Was für eine Bedeutung haben die Jugendgremien und Kindergremien für die Jugendlichen selbst, aber auch für die Politik, also die kommunalen Gremien? Wie stehen diese im Austausch?
Julia Krüger: Laut Brandenburger Kommunalverfassung ist es so geregelt, dass die jungen Menschen Stellung nehmen können zu den Themen, die junge Menschen auf kommunaler Ebene berühren. Das wird auch in den Kommunen wahrgenommen. Die Intensität und das Funktionieren sind aber, glaube ich, unterschiedlich.
Wir haben Kinder- und Jugendgremien, wo die Zusammenarbeit wunderbar klappt. Dort gibt es einen regen Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Mitgliedern der Kinder- und Jugendgremien.
Anaïs war viele Jahre im Jugendforum und Jugendbeirat Falkensee aktiv. Den Dachverband der Kinder- und Jugendgremien Brandenburg hat sie mit aufgebaut und war dort als Sprecherin tätig. In Rostock hat sie Politikwissenschaften und Geschichte studiert und ihre Bachelorarbeit zur Frage „Inwieweit lassen sich in deutschen Kinder- und Jugendgremien geschlechtsspezifische Ungleichheiten feststellen?“ geschrieben.
Gesche: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast mit uns zu sprechen, Anaïs. Wie bist du dazu gekommen bei der Jugendbeteiligung, also im Jugendgremien mitzumachen?
Anaïs: Ich habe angefangen im Jugendforum in Falkensee und das war verbunden mit Demokratie Leben, dem Bundesprogramm. Das hat in Falkensee so funktioniert, dass wir diesen Jugendfonds zur Verfügung hatten und damit halt Projekte machen konnten, die etwas mit Demokratiebildung und so weiter zu tun hatten. Das ist jetzt nicht das, was man sich in erster Linie direkt vorstellt, wenn man an Kommunalpolitik und Jugendbeteiligung denkt. Wir haben einen selbstverwalteten Treff geleitet und dort Veranstaltungen, Spielabende veranstaltet oder Demonstrationen organisiert und Kampagnen geplant. In Falkensee gibt es kaum Angebote für Jugendliche, das macht es für junge Menschen auch attraktiver dazu zu kommen.
Im April findet jedes Jahr der Zukunftstag statt: Ziel ist es, Jugendlichen Einblicke in Berufsfelder zu bieten, die für ihr Geschlecht “untypisch” sind. Ein Tag reicht aber nicht aus, um jahrelanger Sozialisierung, gesellschaftlichen Erwartungen und Arbeitsstrukturen entgegenzuwirken, die auf die Geschlechter unterschiedlich – und unfair – wirken. In der Politik sind Frauen unterrepräsentiert. Für eine Demokratie ist das ein Armutszeugnis. Mädchen bereits im Jugendalter durch Beteiligungsformate zu empowern, kann dem entgegenwirken.
Ausbildung oder Uni? Tischlerei oder Ingenieurwesen? Krankenpflege oder Lehramt? Oder etwas, von dem man bisher gar nicht weiß, dass es existiert?
Die Berufswahl ist keine einfache Entscheidung und wirft für viele Jugendliche zahlreiche Fragen auf: Was macht mir Spaß? Was kann ich gut? Aber auch: Wie sind die Arbeitsbedingungen? Die Bezahlung? Die Karrierechancen?
Bürger*innen mit Migrationsgeschichte sind in der Politik noch immer stark unterrepräsentiert. Vor allem in der Kommunalpolitik sind nur wenige Menschen mit Migrationsgeschichte politisch aktiv. Darum ging es bei unserem letzten Zoommittag am 22. Oktober.
Issam Kanjo, Projektleiter beim Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst e.V.), berichtete von der Lage in Brandenburg:
Das Neutralitätsgebot: Was ist das eigentlich? Mittlerweile kommt den meisten Menschen wohl mindestens ein Beispiel in den Kopf.
Da ist zum Beispiel die kleine Anfrage der CDU/CSU Fraktion zur politischen Neutralität öffentlich geförderter Zivilgesellschaft vom Anfang des Jahres. Julia Klöckners Einsatz gegen Regenbogenflaggen auf und im Bundestag. Die regelmäßige Argumentation der AfD, sie müsse zu politischen Diskussionen, Stadtfesten oder anderen Veranstaltungen eingeladen werden, nur weil andere Parteien eingeladen wurden.
Gewählte*r Vertreter*in, Kreistagsabgeordnete*r, Landrät*in – das klingt nach ziemlich viel Verantwortung. Und ein bisschen viel Arbeit. Aber Kommunalpolitik klingt trotzdem spannend? Und du wolltest schon immer mal wissen, wer wie entscheidet, was mit dem leeren Grundstück passiert, wann der Spielplatz repariert wird und welche Kulturangebote gefördert werden?
Keine Sorge, auch ohne politische Karriere kannst du involviert sein, denn die Kommunalpolitik ist für die Einwohner*innen da und eigentlich ganz zugänglich. Hier ein paar Wege dabei zu sein.
Am 24. Juni fand der erste bundesweite Aktionstag #ParitätJetzt statt.
Begonnen hat der Tag mit einer Aktion vor dem Bundestag. Vielen wird noch das Foto von Markus Söder aus dem Februar in Erinnerung sein, als sich CDU und CSU zu politischen Abstimmungen in Berlin trafen und unfreiwillig demonstrierten, was bei vielen politischen Entscheidungen fehlt: Die Stimmen und Perspektiven von Frauen. Ein großer Aufsteller lud Frauen dazu ein, sich mit an genau diesen Tisch zu setzen.
Der Zoommittag ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine gemeinsame Mittagspause über Zoom. Essen und Trinken sind willkommen. Angelehnt ist das Format an das Konzept des Brown-Bag-Lunch. Gemeinsam tauschen wir uns aus – mit Fokus auf ein bestimmtes Thema. Wenn gewünscht oder angebracht, gibt es einen kurzen thematischen Input. Eine strenge Agenda gibt es dabei allerdings nicht – die Teilnehmenden bereichern die Mittagspause durch ihre eigenen Beiträge.