Julia Krüger ist Referentin beim Kompetenzzentrum für Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg. Dort ist sie insbesondere für die Beratung, Vernetzung und Qualifizierung von Kinder- und Jugendgremien sowie der begleitenden Fachkräfte und Kinder- und Jugendbeauftragten zuständig. Julia steht im engen Austausch mit engagierten Jugendlichen und dem Dachverband Kinder- und Jugendgremien Brandenburg.
Gesche: Was für eine Bedeutung haben die Jugendgremien und Kindergremien für die Jugendlichen selbst, aber auch für die Politik, also die kommunalen Gremien? Wie stehen diese im Austausch?
Julia Krüger: Laut Brandenburger Kommunalverfassung ist es so geregelt, dass die jungen Menschen Stellung nehmen können zu den Themen, die junge Menschen auf kommunaler Ebene berühren. Das wird auch in den Kommunen wahrgenommen. Die Intensität und das Funktionieren sind aber, glaube ich, unterschiedlich.
Wir haben Kinder- und Jugendgremien, wo die Zusammenarbeit wunderbar klappt. Dort gibt es einen regen Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Mitgliedern der Kinder- und Jugendgremien.
Wir haben aber auch Kommunen, wo es Reibungspunkte gibt, wo Kinder- und Jugendbeiräte sehr viel selbst einfordern müssen, wo einfach Punkte in der Zusammenarbeit noch nicht gut geklärt sind. Wichtig ist, deswegen habe ich gerade diese Rolle rückwärts gemacht, zu sagen, nicht alle Themen, die Kinder und Jugendliche betreffen, betreffen dann auch die Gremien. Denn die Gremien spiegeln nur eine Perspektive junger Menschen. Es gibt ja nicht die Gruppe junger Menschen und eine*r kann für alle reden. Das funktioniert nicht. Man muss immer anhand des Gegenstandes auch schauen, welche Zielgruppe innerhalb der Gruppe der jungen Menschen ist betroffen. Ein konkretes Beispiel, das nehme ich immer gerne: Ich hatte mal einen Jugendbeirat, wo sie eine Vorlage gekriegt haben zum Kinderspielplatz in der Kommune und sie sollten doch bitte dazu Stellung nehmen. Und die jungen Menschen haben gesagt: „Vielen lieben Dank, dass ihr an uns gedacht habt, aber wir sind 14, 15 aufwärts. Wir können jetzt nichts zu dem Bau eines Kleinkinderspielplatzes sagen. Bitte fragt doch die Kita-Kinder oder die Eltern.“
Also das gibt es eben auch, dass die Gefahr besteht, dass so ein Kinder- und Jugendgremium dann als Allzweckwaffe der Beteiligung dient. Also dass dann gesagt wird, ja, wir haben den Beirat ja gefragt und die haben nicht geantwortet, wir haben es ihnen ja angeboten.
Deswegen lade ich dazu ein, wenn Gremien entstehen – da haben wir relativ viele, die immer im Jahr sozusagen initiiert werden in den Kommunen – zu schauen, was sind wirklich die Themen der jungen Menschen in diesem Gremium? Welche Perspektiven können sie teilen? Und aber auch zu sensibilisieren und zu sagen, dass es eine vielfältige Beteiligungslandschaft geben muss. Also das Jugendgremium als einziges Format bildet nicht die Perspektiven aller jungen Menschen ab.
Gesche: In der Gleichstellungspolitik gibt es das Konzept von Gender Mainstreaming, also Geschlecht immer bei allem mitdenken. Es gibt sicherlich Themen, wo die kommunalen Gremien nicht an die Jugendlichen denken, obwohl sie betroffen sind. Werden die Jugendlichen gehört, wenn sie sagen „Zu dem Thema haben wir eine Meinung“?
Julia Krüger: Genau, also es gibt Themen, die sind offensichtlich. Spielplatz ist so das Klassische, da denken die meisten Gemeinden noch dran, den Jugendbeirat zu fragen. Es gibt andere Themen, wie beispielsweise Busverkehr, da wird es manchmal einfach vergessen oder bestenfalls haben die kommunalen Gremien das einfach nicht auf dem Schirm. Deswegen finde ich es immer wichtig, dass es Aushandlungsprozesse gibt. Das im Rahmen von der Zusammenarbeit zwischen Gremium, Verwaltung und Politik gemeinsam geklärt wird, was die Themen der jungen Menschen sind und dass man als Politik auch eine Hilfestellung oder Handlungsleitfaden bekommt, damit PolitikerInnen und Verwaltungsmitarbeitenden bewusst wird, was die Lebenswelt junger Menschen betrifft.
Manche Jugendgremien müssen sich sehr reinhängen, um Dinge zu erfahren. Eine Schlüsselfunktion hat hier immer die begleitende Fachkraft. Die meisten Gremien hier in Brandenburg haben eine personelle Begleitung, entweder in Verwaltung oder Jugendarbeit, häufig nicht Vollzeit, sondern mit Stundenanteilen. Die Fachkraft streckt ihre Fühler aus und sammelt Themen.
Gesche: Ja, das kennen wir aus unserer Arbeit auch, dass es sehr wichtig ist für ehrenamtliches Engagement immer hauptamtlichen Personen zu haben, die unterstützen können.
Julia Krüger: Ja, ohne Hauptamt kein Ehrenamt!
Gesche: Wisst ihr wie die Jugendlichen dazu kommen, sich in den Jugendgremien zu engagieren?
Julia Krüger: Ganz viel ist Peer-to-Peer. Wenn wir fragen, wie bist du zum Gremium gekommen, wird ganz oft gesagt, dass eine Freundin oder ein Freund sie mitgenommen hat. Dann hat man da gemeinsam auch eine gute Zeit und bewegt was.
Viele Gremien suchen auch im Bereich Engagement. Mit Aktionsständen bei kleinen Festivals oder Gemeindefesten stellen sie ihre Arbeit vor. Dadurch kriegen andere junge Menschen mit „Oh, ich kann was bewegen. Ich kann etwas in meiner Kommune verändern. Ich kann meine Kommune mitgestalten. Ich werde auch ernst genommen.“
Und wenn die Jugendlichen dann die Erfahrung in einem Gremium machen gemeinsam ein Projekt auf die Beine zu stellen oder auch Impulse in die Politik zugeben und die dann wahr und ernst genommen werden und man selbst diese Selbstwirksamkeitserfahrung hat, dann bleibt man auch am Ball.
Gesche: Wie sieht die Verteilung der Geschlechter in den Jugendgremien aus? Und gibt es Erkenntnisse, inwieweit Jugendliche in der politischen Arbeit aktiv bleiben, wenn sie zuvor in Jugendgremien oder -beiräten waren?
Julia Krüger: Ich habe mal eine Umfrage gemacht in Brandenburg 2021 zu den Gremien. Wenn man jetzt von “zwei Geschlechtern” ausgeht, hatten wir 2021 ein Gleichgewicht zwischen Jungen und Mädchen. Da reden wir aber noch nicht über die Frage, welche Rolle nehmen junge Mädchen oder junge Frauen da ein? Das ist eine andere Frage.
Und wenn wir dann gucken, wie viele junge Frauen übernehmen dann ein politisches Amt, bzw. wie sehen die Gemeindevertretungen aus? Ich glaube, das wissen wir beide: Gemeindevertretungen sind männlich dominiert von vor allen Dingen älteren männlichen Kollegen. Also irgendwie muss es da einen Abbruch geben, warum auch immer. Das heißt aber nicht, dass sie sich nicht anders politisch engagieren, zum Beispiel in Initiativen, Vereinen oder Organisationen.
Ich glaube, es gehen eher junge Männer in dem Fall in die Politik als die jungen Frauen. Aber auch nicht alle. Wir haben tolle Beispiele hier in Brandenburg. Gerade bei den letzten Kommunalwahlen haben wirklich viele junge Menschen, die eigentlich aus den Gremien kommen, kandidiert und auch reingekommen sind. Beispielsweise in Falkensee haben wir jetzt drei junge Menschen, die vorher in dem Gremium waren, die jetzt in der Stadtverordnetenversammlung sind.
Das freut mich immer, dass dann die jungen Menschen aus den Jugendgremien in die politischen Ämter gehen und da auch dann die Perspektive der jungen Menschen einbringen, aber auch wiederum Türen öffnen für die Jugendgremien. Wenn die jungen Menschen dann da drinsitzen, dann sagen sie „Ihr habt da den Jugendbeirat gar nicht gefragt, das geht nicht. Wir müssen das auf dem Schirm haben.“
Gesche: Ich möchte nochmal auf die Verteilung der Geschlechter zurückkommen. Du hast schon gesagt, dass das sehr ausgeglichen ist, aber dann wandelt sich das. Viele ziehen sich vielleicht auch erstmal zurück und später haben wir meist einen Frauenanteil von weniger als 30% in der Kommunalpolitik.
Julia Krüger: Mich hat das ehrlich gesagt auch ein bisschen überrascht, dass die Verteilung so gleich ist. Das Format Gremium ist halt ein sehr hochschwelliges und hat viele Zugangsbarrieren und Herausforderungen. Es ist eine Struktur, die sich auch einfügt in das eher männlich dominierte Feld der Politik. Deswegen hat mich das sehr – positiv – überrascht, dass das so ausgeglichen ist. Das sagt aber noch nichts über die internen Dynamiken aus.
Nur weil sie zahlenmäßig gleich sind, heißt es ja nicht, dass sie genauso viel Macht – Macht im positiven Sinne – und Einfluss haben, Themen setzen können und wirksam werden können. Die Frage ist, welche Rolle nehmen junge Frauen in diesen Gremien ein? Sind sie eher die, die die Themen setzen? Die Agenda-Setterin? Oder sind sie die, die sich darum kümmern „Okay, wir bestellen Pizza“, also in diese Care-Rolle reingehen?
Gesche: Oder Protokoll schreiben.
Julia Krüger: Genau, wer schreibt Protokoll? Oder sind es die, die dann auch in den Ausschuss gehen und den Jugendbeirat da vertreten? Oder sind es dann doch eher die männlichen Kollegen? Sind es die, die angerufen werden von der oder dem Fraktionsvorsitzenden und gefragt werden „Wir haben da ein gutes Thema, wollt ihr nicht dazu einen Impuls reingeben?“ Oder sind es doch eher die Jungen? Zu diesen internen Dynamiken, gibt es erste Beobachtungen, aber leider nicht so richtig qualitative Daten. Vielleicht kann Anaïs mehr dazu sagen.
Gesche: Wir beobachten das ja in vielen Bereichen, das Mädchen in der Schule besser abschneiden, engagiert sind und dass dann nachlässt mit dem Schritt in die Arbeitswelt und später bei Familiengründung. Dafür gibt es viele systematische Gründe.
Julia Krüger: Ja, auch unsichtbare Faktoren, wie Selbstbewusstsein, Sicherheit und andere Hürden. In manchen Gemeindevertretungen herrscht ein raues Klima, dass auch schon für Erwachsene sehr rau ist. Da stellt sich die Frage, ob ich mich als junge Frau oder als junger Mensch insgesamt traue und in der Lage bin mich dort zu behaupten. Ich war selbst auch in der Kommunalpolitik mal tätig, das ist nicht immer einfach. Das ist für einen jungen Menschen eine große Herausforderung und für eine junge Frau erst recht.
Die formalen Strukturen gelten zwar für alle, aber aus meiner Sicht ist die Beteiligung da nicht neutral, weil die Strukturen einfach männlich geprägt sind. Obwohl auf der rechtlichen Ebene alle gleich sind. Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern wir haben ein Umsetzungsproblem. Wir müssen schauen, wie wir die Strukturen ändern können, sodass diese Hürden nicht mehr so hoch sind oder bestenfalls verschwinden.
Wie können wir Beteiligung gestalten, damit wirklich alle die gleichen Chancen haben?
Gesche: Ja, das sind ähnliche Hürden wie bei Frauen in der (Kommunal)Politik. Wie können wir die Debattenkultur gestalten, dass sie für alle angenehm ist? Wie können wir die Rahmenbedingungen gestalten, dass es möglich ist, für alle teilzunehmen?
Julia Krüger: Ja, ich glaube, das ist einfach wichtig, dass man, wenn man Beteiligung denkt, von Mädchen* aus denkt, um zu schauen, wie wir das gestalten können, damit sich alle wohl und sicher fühlen, dass alle die gleichen Chancen haben.
Das eine ist, junge Frauen gerade auch zu empowern, damit sie eben auch ihre guten Ideen und ihre guten Potenziale ausleben können und sich da selbstbewusst reinzugeben. Aber gleichzeitig muss man auch die Strukturen unter die Lupe nehmen und gucken, wie kann es gelingen, dass dann die empowerten jungen Frauen nicht wieder an diese unsichtbaren Barrieren stoßen. Wie kann es gelingen, dass die genauso eine Chance auf Einflussnahme haben wie die männlichen Kollegen?
Charlotte: Eine aktuelle gesellschaftlichen Entwicklung ist, dass bei männlich gelesenen Personen konservative Einstellungen bis hin zu Rechtsaußen Tendenzen erkennbar sind. Wie ist das in den Jugendgremien, gibt es demokratische Linien/ Instrumente, die da eine Grenze darstellen? Wie wird damit umgegangen?
Julia Krüger: Vor allem beobachten wir das in den kommunalen Gremien, wo die Jugendlichen reingehen. Die Diskussionskultur wird schwieriger. Es geht weniger in die Richtung eines Miteinanders für die Kommune, sondern eher eines Gegeneinanders, um die eigenen Positionen klarzumachen und sich auch gegenseitig im politischen Raum bloßzustellen. Hier würde ich jetzt tatsächlich die Geschlechterperspektive mal rausnehmen, egal welcher junge Mensch sich da reinbegibt – das ist sehr schwierig.
Es ist wichtig, dass wir gemeinsam, aber auch Politik in die Verantwortung tritt und schaut, wie können wir einen Raum schaffen, beziehungsweise ein Klima schaffen, eine Atmosphäre schaffen, wo junge Menschen sich wirklich auch beteiligen können. Ein konkretes Beispiel: Wenn junge Menschen in einen Ausschuss gehen und dort der Umgang teilweise unter die Gürtellinien geht, traut sich kein junger Mensch, egal ob männlich gelesen, weiblich gelesen, überhaupt irgendwas zu sagen. Die Gefahr besteht dann einfach auch, dass man in dieses Machtspiel reingerät. Die Zahlen zeigen es deutlich, wie die Gemeindevertretungen sich verändern. Thema wird zunehmend zu schauen, wie können wir junge Menschen fit machen, dass sie nicht instrumentalisiert werden. Wie können wir junge Menschen auch rhetorisch fit machen, da in die Auseinandersetzung gehen zu können, Dinge wahrzunehmen, die auf der demokratischen Ebene nicht vertretbar sind und wie können sie damit gut umgehen.
Klar, als junge Frau ist es dann grundsätzlich noch mal eine andere Herausforderung, aber ich glaube, das ist eine Gesamtherausforderung.
Gesche: Verstehe ich es richtig, dass ihr jetzt in den Jugendbeiräten und Gremien selbst da noch kein großes Problem habt? Aber ihr seid achtsam, dass das in Zukunft ein Problem werden könnte, dass rechte Jugendliche dort auch reinkommen?
Julia Krüger: Genau, also ich glaube, es gibt vereinzelte Fälle, da werden Lösungen gefunden. Es ist auch so, dass man sich als Mitglied eines Jugendbeirats an ein gemeinsames demokratisches Verständnis halten muss. Wenn du Mitglied unseres Beirates bist, dann vertrittst du unsere Position und nicht deine privatpolitische Position.
Wie sich das in Zukunft entwickelt, müssen wir gut beobachten. Da müssen wir schauen, wie man damit umgeht tatsächlich. Zurzeit ist es eher die Herausforderung im Zusammenspiel mit Kommunalpolitik.
Gesche: Aus meiner Arbeit weiß ich, dass die besten Möglichkeiten Frauen in der Kommunalpolitik zu stärken Frauennetzwerke und Mentoring-Programme sind. Gibt es das in der Jugendbeteiligung, dass Kommunalpolitiker*innen die Mitglieder aus dem Jugendbeirat so ein bisschen an die Hand nehmen?
Julia Krüger: Also in der Regel nicht. Als Jugendgremium hast du die „Herausforderung“, dass du überparteilich arbeitest. Wenn du dir dann eine Mentorin, einen Mentor suchst aus einer Fraktion, dann kann das komisch angesehen werden. Ich glaube aber schon, dass es in vielen Gemeindevertretungen Kolleginnen und Kollegen gibt, die da einen Blick draufhaben, die dann auch, wenn die Debattenkultur rauer wird, zu Contenance aufrufen. Oder wir haben auch Ausschussvorsitzende, die vorher Gespräche führen mit dem Jugendbeirat und fragen, ob es zu den Vorlagen noch Fragen gibt. Es werden auch bewusst, die Tagesordnungspunkte, die den Beirat betreffen, nach vorne gezogen.
Wir haben also vereinzelt Mentoring, aber nicht offiziell, sondern eher auf der informellen Ebene und innerhalb der Jugendgremien. Zum Beispiel junge Frauen, die schon ein bisschen länger dabei sind, andere junge Frauen ein bisschen mehr unterstützen, erklären und auch ermutigen, Aufgaben zu übernehmen innerhalb ihres Gremiums, wo man sich erst mal nicht so traut.
Gesche: Und du hattest vorhin gesagt, mit deiner Frage, wie hast du ein Gefühl dafür, ob die dann auch in die Kommunalpolitik gehen?
Julia: Ich finde es toll zu sehen, wie die Mädchen* und jungen Frauen ihr Potenzial da entfaltet haben. Also wirklich ganz grandios. Und wir haben viele junge Frauen, die einen wahnsinnigen Weg gegangen sind aus ihrem Gremium raus. Da weiß ich dann auch, hier wirkt unsere Arbeit, da wirkt die Arbeit der Beteiligung, wenn man sie so denkt, dass es für alle gerecht ist. Und nicht nur sagt, na ja, formal hätten ja alle zur Jugendkonferenz kommen können, wenn die halt nicht kommen oder wenn die dann in dem Format halt nicht sagen, was sie wollen, sondern einfach die Jungs das immer sagen – selbst Schuld. Also ganz klassisch, wir gehen in Jugendkonferenzen und fragen nach Themen. Was wollt ihr? Und dann kommen die Fußballplätze und so. Jetzt mal ganz pointiert gedacht: die „Mädchenthemen“ bleiben gefühlt eher so ein bisschen zurück, aber dann muss man halt eine andere Methode wählen. Vielleicht nicht im großen Raum mit 30 Leuten, sondern eher mit Kleingruppen arbeiten oder eine stille Abfrage. Dann kommen richtig tolle Ideen und Impulse. Und da geht es nicht nur um junge Frauen oder Mädchen.
Gesche: Letzte Frage: Du hast ja auch die Möglichkeit die persönliche Entwicklung zu beobachten über die Jahre. Wie ist das so?
Julia Krüger: Ja, ich habe das Glück tatsächlich. Dadurch, dass ich in den Kommunen bin, aber durch den Dachverband arbeite ich viel näher mit den jungen Menschen zusammen.
Ich habe eine junge Frau, die war ganz, ganz schüchtern, die wurde von jemandem mitgenommen. Und wenn ich sie heute sehe, dann denke ich, wow, sie lässt sich wirklich nichts – also im positiven Sinne – mehr sagen. Und vorher war sie ganz ruhig und jetzt so – das ist toll. Und wenn ich dann sowas sehe, nicht nur bei den jungen Frauen, sondern auch bei den anderen, gibt das meiner Arbeit eine Sinnhaftigkeit.
Und das wünsche ich mir tatsächlich so für die Zukunft, dass irgendwann Beteiligung einfach selbstverständlich für alle funktioniert und es kein Sonderthema mehr sein muss.
Gesche: Das ist auch ein sehr schönes Schlusswort. Das stelle ich mir auch für dich persönlich schön vor, das so zu sehen.
Julia Krüger: Ja, also da geht mir wirklich immer das Herz auf.
Das Interview wurden von Gesche Andert mit Unterstützung von Charlotte Stierand geführt.