Kommentar: „Geschlechterstereotypisierung in der Rechtswissenschaft“

Anke Robert, Juristin und Sprecherin des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg e.V., nahm den Artikel Jura – jetzt auch für Frauen als Anlass, einen Kommentar über ihre Eindrücke in der Rechtswissenschaft zu schreiben. Sie überlegt, sich selbst für einen Sitz in der Prüfungskommission zu bewerben oder an der Gesetzeskommentierung mitzuwirken.

Lehrende an rechtswissenschaftlichen Fakultäten sind ganz überwiegend sehr intelligente, zumeist großgewachsene Herren in eng geschnittenen teuren Anzügen. Sie besetzen bundesweit mehr als 80 Prozent der Lehrstühle. Rein statistisch ist das überraschend, denn Frauen starten im Durchschnitt mit den besseren Abiturnoten in ihr Studium und sie stellen mittlerweile auch die Mehrzahl der Studierenden dar.

Doch Frauen scheinen es schwerer zu haben. Woran kann dies festgemacht werden? Daran, dass sie trotz ihrer hervorragenden Ausgangsbedingungen durchschnittlich schlechter im Staatsexsamen abschneiden als ihre männlichen Kommilitonen. Ein signifikanter Unterschied ist insbesondere bei den Ergebnissen in der mündlichen Prüfung festzustellen. Hier schneiden die Frauen deutlich schlechter ab – allerdings nur, wenn keine Frau in der Prüfungskommission sitzt, was häufig der Fall ist.

Auch die rechtswissenschaftliche Welt ist männlich geprägt. Kommentierungen von Gesetzestexten, die Auslegungshilfen geben und verschiedene Interpretationsansätze beinhalten, werden zu 90 Prozent von männlichen Juristen verfasst. Von einer ähnlichen Verteilung dürfte bei allen weiteren Veröffentlichungen in der Fachliteratur auszugehen sein. Genaue Statistiken existieren hierfür nicht. Warum wohl?

Und auch wenn ich an meine eigene rechtswissenschaftliche Ausbildung zurückdenke, so erinnere ich mich an eine Vielzahl von Fallkonstellationen, in denen es um Sekretärin S, Hausfrauen H und Verkäuferinnen V sowie um den Rechtsprofessor P, den Notar N und Fabrikbesitzer F ging. Es ist nicht nur die rechtswissenschaftliche Fachwelt männlich geprägt, sondern es scheint in ihr auch ein Frauenbild zu herrschen, das ich persönlich als nicht mehr zeitgemäß beurteile.

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