Mit nur wenigen Enthaltungen hat die Delegiertenversammlung des Landesfrauenrates Niedersachsen e.V. (LFRN) bereits 2012 die Niedersächsische Landesregierung aufgefordert, das Kommunalwahl- und das Landtagswahlgesetz dahingehend zu ändern, dass die Wahlchancen von Frauen verbessert werden. Bei der Aufstellung der Bewerberinnen und Bewerber für die Wahlvorschläge von Parteien und Wählervereinigungen ist eine alternierende paritätische Berücksichtigung von Frauen und Männern zu gewährleisten. Weiterhin sollen die Parteien verpflichtet werden, aussichtsreiche Wahlkreise ebenfalls alternierend zu besetzen mit dem Ziel, dass in den Parlamenten Frauen und Männer zu gleichen Teilen vertreten sind. Die Landesregierung wird aufgefordert, über den Bundesrat auf die Bundesregierung einzuwirken, die Wahlgesetze bundeseinheitlich zugunsten von Frauen zu ändern, damit Frauen der gleiche Zugang zu den Wahlmandaten garantiert wird wie den Männern. Auch hier ist das Ziel, eine fünfzigprozentige Beteiligung beider Geschlechter im Bundestag sicher zu stellen.

Und heute im Herbst 2020: Ein Teil der Niedersächsischen Landesregierung einschließlich des Ministerpräsidenten (SPD) würde wohl gerne in Richtung Parität gehen, aber der andere Teil CDU blockiert ein gemeinsames Vorgehen – und das obwohl die CDU Frauenunion ein Paritätsgesetz fordert. So kommt es, dass ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen auf die Einsetzung einer Enquetekommission zur Erarbeitung eines gemeinsamen Antrags für ein Paritätsgesetz zweimal keine Mehrheit bekam und die SPD Landtagsabgeordneten bei den Debattenbeiträgen keinen guten Stand hatten: Eigentlich würden sie gerne zustimmen, können aber nicht, da das die Koalitionsregierung sprengen würde. Trotzdem gibt es hochrangige Mitstreiterinnen für ein Paritätsgesetz wie die Niedersächsische Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta (SPD), die zuständige Ministerin Dr. Carola Reimann (SPD) und die Frauenpolitischen Sprecherinnen der Landtagsfraktionen Dr. Thela Wernstedt (SPD) und Imke Byl (Bündnis 90/Die Grünen). Der LFRN wartet auf die Landtagswahl in Niedersachsen im Jahr 2022 mit der Hoffnung auf eine Änderung der Mehrheitsverhältnisse.